Über den Widauersteig auf den Scheffauer

Der Scheffauer ist der 2.113 m hohe markante westliche Eckpfeiler des Wilden Kaisers. Der Wetterbericht für den Tag der Besteigung war ganz so schlecht nicht, aber am Ausgangspunkt Hintersteiner See regnete es noch so stark , dass wir erst einmal im Auto sitzen blieben, und unsere Smartphones noch einmal nach den neuesten Wetteraussichten befragten.

Aufgebrochen wurde letztlich nur, weil wir uns nach der doch nicht ganz kurzen Anfahrt nicht gleich mir nix dir nix geschlagen geben wollten, und auf dem Weg über die Walleralm zur Kaindlhütte auch bei schlechtem Wetter eine Umkehr jederzeit möglich gewesen wäre. Doch bald hörte es tatsächlich zu regnen auf, und ein Abbruch war kein Thema mehr, auch nicht, als uns im Wald oberhalb der Kaindlhütte ein letzter Regenschauer noch einmal in den Schutz einer Baumkrone trieb.

Im großen Friedhof, einer großen Karmulde in der Nordflanke des Scheffauers mit einem größeren, aber flachen und leicht zu überquerenden Schneefeld, setzt der rund 400 m hohe Felsaufbau des Gipfels an. Der folgende Widauersteig, der gut gesichert durch diese Mauer leitet, war hingegen trotz seiner nordseitigen Exposition durchgehend schneefrei. Nahe der Scharte, wo es nach Süden wieder hinuntergeht und der zehnminütige Gipfelabstecher abzweigt, gab es erste Aufhellungen und hin und wieder verirrten sich ein paar Sonnenstrahlen, ohne das es aber zu einem Panoramablick gereicht hätte. Quasi als Ersatz musste der Anblick einer Gams herhalten, die sich auf einen passablen Fotografierabstand an uns heranwagte.

Der Abstieg auf dem Normalweg über die Steiner Hochalm West ist auch nicht ganz ohne und erforderte noch einige Konzentration, aber schließlich gelangte unser Quartett wohlbehalten und mit einem eindrucksvollen Bergerlebnis bereichert wieder am Hintersteiner See an. Im Tal war es wieder heller geworden, nur der erstiegene Gipfel behielt sein stolzes Haupt in den Wolken verborgen.

Text: Lorenz Mayer

Fotos: Lorenz Mayer, Andreas Fuchs