Brennende Füße am Brandhorn

Entrücktes Gipfelziel am Steinernen Meer

15.September, 4.10 Uhr – der Wecker läutet. Hmm, machen wir heute eine Westalpentour oder …?

Nachträglich stellt sich heraus, dass das Timing perfekt war.

Zu siebt starten wir um 5.00 Uhr von Waging in Richtung Hinterthal. Während es in den „Chiemgauern“ noch mondhell ist, erwartet uns im Saalfeldener Becken ein Wolkendeckel. Dieser ist zumindest für die ersten schweißtreibenden 900 Höhenmeter sehr angenehm kühlend. Durch wunderschöne Vegetation und Wiesenhänge geht es auf die Niedere Torscharte, bei der uns die Sonne erwartet. Wir genießen den Übergang am Torkopf vorbei zur Oberen Torscharte und dann zunehmend felsiger werdend zum Martlerlkopf.

Ja, eigentlich gehe ich diese Tour nur im Winter, denn dann gibt es bergab über die vielen, vielen Höhenmeter vom Brandhorn keine brennenden Sohlen sondern spritzenden Firn oder stiebenden Pulver, aber Mike, unser Chef, bat mich die Tour zu führen, da er sich zur Zeit ein wenig unpässlich fühlt. Was bleibt da anderes übrig als unserem Chef einen Gefallen zu tun.

Es sollte sich lohnen, denn allein schon das Auftauchen aus der Nebelsuppe beglückte uns mit Endorphinen – ein weiteres war die nette und fitte Gruppe. Auch der Älteste mit – ich glaube 73 Jahren – war super in Form.

Und die Mischung aus üppiger Vegetation weiter unten und den Karstformen weiter oben mit Blick über die Karstflächen, die im Winter komplett anders aussehen, waren beeindruckend.

Diese Karstformen ließen dann auch unser Tempo langsamer werden, denn es war z.T. sehr umsichtiges Gehen und teilweise Klettern vom Marterlkopf zum Brandhorn zu bewältigen. Übrigens, Lenz, der auch dabei war, hat uns am Martelkopf einen Kaugummi gegeben mit den Worten – „jetzt ist es noch eine Stunde“. Letztendlich zog sich die Stunde wie ein Kaugummi auf 1,5 h und zurück war es fast dieselbe Zeit. Dann kam der lange, lange sonnseitige Abstieg von den Torscharten nach Hinterthal, bei dem die Füße dann doch noch zu brennen begannen – daher vermutlich der Name Brandhorn. Im Bach ganz unten kühlten einige die Sohlen und machten sich sauber für das wohlverdiente Bier. Den anderen war`s vollkommen wurscht, den Bier schmeckt auch in ungewaschenem Zustand, ganz ehrlich!

Dabei waren: Lenz und Rosi, Irmgard, Elsbeth, Ludwig, Knut und Hermann.

Text: Hermann Böhler

Bilder: Hermann Böhler, Lorenz Mayer