Montafon- ein Hochgebirgstal mit anspruchsvollen Bergradtouren

9 Mitglieder der DAV Sektion Teisendorf erleben 5 eindrucksvolle Tourentage in den Bergen um Schruns

Nach einer 3 ½ stündigen Anreise mit Autos durch das Inntal, über den Arlbergpass ins Klostertal und dann in das von steilen Bergen eingefasste Montafon erreichten wir unsere kleine Familienpension Haus Gafrina. Die Pension liegt 4 km taleinwärts von Schruns in da ca. 680 m hoch gelegene Mauren. Östlich von uns der reissende Gebirgsbach Ill, hinter uns steil aufragend der Rätikon mit Schwarzhorn, Weißplatte, Scheidenfluh. Südöstlich führt das Tal bis Partennen. Von dort beginnt die imposante Silvretta Hochalpenstraße.
Daniela und Thomas, die Pensionsinhaber freuten sich ganz besonders, nach der schwierigen Coronazeit,  wieder deutsche Gäste empfangen zu dürfen. Nach ursprünglich 16 Meldungen wagten dann mit Tourenleiter Heini noch Kathi, Doris, Franz und Finni, Max und Maria, Michael und Alois das Unternehmen nach Corona.

Erster Tag:  Maisässtour
Nach der Anreise schwingen wir uns gleich auf unser Bergradl ohne E-Unterstützung, fahren entlang der Ill hinunter bis Vandans. Von dort
zuerst noch durch schöne alte Vorarlberger Häuser hindurch in das enge Rellsbachtal hinein. Der Weg wird immer steiler und die Wolken immer dichter.  Nach gut zwei Stunden sind wir auf Höhe 1450 m an den Berghäusern Schandegg. Es beginnt zu regnen. Weiter unter der
Golmer Seilbahn hindurch und dann steil abwärts hinunter zum mächtigen Staubecken in Latschau. Wir sind alle gut ausgerüstet und trotzen dem kalten Regen. Noch geht es 400 Hm auf der Latschauer Straße hinunter nach Tschagguns. Von dort radeln wir auf einem schönen Radlweg zurück entlang der Ill zu unserem Quartier. Wir hatten ca. 32 km und 900 Hm Anstieg bewältigt, eine bei schönem Wetter ansprechende Einradltour. Thomas machte uns zum Abendessen noch sehr gute Pizzas, dazu köstlichen Wein vom Haus.

Zweiter Tag: Silbertalrunde
Die Wettervorhersagen waren positiv, wolkig, sonnig, vereinzelte Schauer. Bestes von Thomas vorbereitetes Frühstück in einer sehr gemütlichen Terrasse mit Glasdach und Blick ins Illtal. Um 8.45 Uhr sitzt die Gruppe gut gestärkt auf dem Radl. Zuerst wieder den Bach entlang hinunter nach Schruns, dann die Montjolastraße hinauf in das 1050 m hoch gelegene Bartholomäberg. Eine sehenswerte Kirche und ein wunderschön gelegener Friedhof mit schmiedeeisernen Grabkreuzen. Der Blick großartig ins Montafon, umrahmt von fast 3000 m hohen Gipfeln, östlich von uns das Silbertal. Den Namen bekam das Tal von Silberbergwerken, die bereits im 15. Jahrhundert entstanden und heute noch durch Wegtafeln dem Besucher dargestellt werden. Nach der steilen Auffahrt gings nun sanfter weiter nach Innerberg mit einer kleinen Kirche, eine der ältesten Kirche im Tal. Auf einem Kiesweg gings nun steil auf das 1450 m hoch gelegene Kristberg. Eine alte
Gelöbniskapelle aus dem 14. Jahrhundert erinnert an verschüttete Bergleute im nahe gelegenen Silberbergwerk. Ein Blick in das Innere lohnt sich. Nun führte uns ein hoch über dem Tal liegender Forstweg vorbei am Siebenbrünnele, in einer Waldlichtung eine Feuchtwiese be
deckt mit Pfauenaugen und dann eine steile Abfahrt hinunter zum Litzbach. Wir fuhren weiter ins Tal hinein zur Unteren Wasserstubenalpe und dann steil hinauf zur oberen Wasserstubenalpe auf 1731 m. Handwerker waren gerade dabei, die Terrasse neu herzurichten und zudem kam anstelle der Sonne Regen auf, so dass wir nach kurzer Einkehr uns auf den Weg machten hinunter zum Hasahüsli. Ein romantisches Berggasthaus im Europaschutzgebiet Verwall, von wo aus auch ein Weg zur Heilbronner Hütte führt.   Ein hervorragenden Pfirsichkuchen mit Kaffee und der eingeheizte Kachelofen wärmte uns nach der steilen Abfahrt mit gerade mal 10 bis 12 Grad „Sommertemperatur“. Nun folgte eine noch lange Abfahrt durch das wunderschöne Silbertal hinunter nach Schruns. Auf dem Illradweg
fuhren wir wieder zurück zu unserer Pension Gafrina.   Mit 52 km, 1380 Hm Aufstieg und 7 ¼ Std unterwegs war der Tag gut ausgelastet. Für Senioren in der Gruppe mit 77 Jahren auf einem normalen Bergradl eine achtbare Leistung. Als Lohn wurden wir im Gasthof Löwen
noch mit einem feinen Essen belohnt.

Dritter Tag:  Itonskopfrunde
Diese Runde um den 2089 m hohen Berg zählt mit zu den schönsten Touren in diesem Gebiet – bei schönem Wetter.Wir starteten wieder von unserer Pension bis Schruns, dann hinauf auf Bartholomäberg. 1 Std. Radlzeit und 400 Hm waren geschafft. Dann ging es in steilen Serpentinen hinauf nach Rellseck (1487 m) , wo eine kleine Kapelle steht. Sie wurde gerade renoviert und man konnte nicht ins Innere sehen. Der Weg führte weiter mäßig steil zur Alplegi, dem höchsten Punkt der Tour auf 1802 m. Nach einer Fotopause gings auf einem guten Feldweg hinab zur Lafonsalpe auf 1638 m. Leider war bei unserer Ankunft die hl. Messe – es war Sonntag – vor der Alm mit vielen Gästen zu Ende. Wir hörten nur noch  … Großer Gott wir loben dich … Eine kurze geistige Einkehr mit Dank für all das, was wir bisher erlebten, war doch noch gegeben. Wir stärkten uns mit Kaffee und von den Sennerinnen selbst gemachten Kuchen oder auch deftigen Grillwürsten. Leider war an diesem Tag die sonst so große Ruhe etwas gestört durch die vielen Besucher, die ausnahmsweise mit dem
Auto hoch fahren durften. Nun erwartete uns eine schwierige MTB-Strecke. Zuerst noch eine kurze, steile Auffahrt und dann auf einem Bergpfad mit vielen Schikanen an der Südseite entlang den steilen Hängen des Itonskopf. Dieser Streckenabschnitt ist nur von Profis durchgehend befahrbar. Nach einer Stunde von der Alm erreichten wir einen perfekten Singl-Trail, wo jeder sein Fahrkönnen ausloten konnte. Es war schon mitten am Nachmittag, als wir dann wieder auf normalem Almweg den herrlich gelegenen Fritzensee erreichten.
Noch eine Fotopause und eine kleine Stärkung, bevor es wieder steil hinunter nach Bartholomäberg ging. Auf der Asphaltstraße ging es
rasant in Kehren hinunter nach Schruns und auf dem Illradweg wieder zurück zu unserer Pension. Hinter uns lagen 46 km Radlstrecke und 1380 Hm. Gut 7 Std. waren wir unterwegs. In der Gaststätte Sulzfluh wurden wir am Abend mit einer sehr guten Küche verwöhnt. Anschließend bestaunten wir noch den Klettergarten und Hochseilgarten am Staubecken Latschau.

Vierter Tag: Silvretta 3 Seen Tour
Die Königsetappe war angesagt, natürlich bei schönem Wetter. Wir fuhren mit dem Auto bis Partenen nahe der Mautstelle Silvretta-Hochalpenstraße. Von dort noch eine Kehre auf der Straße, und dann ein einsames , steiles Straßl nach Außerganifer, vorbei an einer Herde Jungrinder nach Innerganifer und von dort gings auf steilen Kehren hinauf zum Kopssee auf 1855 m. Statt Sonne dichter Nebel und kühl. Wir radeln trotzdem um den kühnen Stausee, bei Sonne sicher ein Erlebnis. Die Wasserstollen aus denen gewaltige Wassermengen in den See rauschten, waren beeindruckend. Wir wechselten auf die andere Straßenseite nach Zeinis. Von dort führt ein Fußweg hinunter Richtung Galtür im Paznauntal. Die Hänge voller Alpenrosen, von den Bergen schossen die Bäche, nur die Sonne fehlte. Vor uns lag nun die lange Auffahrt zur Bielerhöhe mit dem Silvrettasee auf 2030 m. Bei gutem Wetter empfiehlt sich der Fußweg, wir wählten die Straße.
Nach ca. 4 Std. Radlzeit waren wir oben angelangt. In dem kleinen Geschenkladen am See gab es Kaffee und wir konnten uns aufwärmen. Draußen regnete es und es war sehr kühl. In der Hoffnung, dass das Wetter besser wird, machten wir uns auf dem Weg hinunter ins Tal auf der gewaltigen  Silvretta Hochalpenstraßen mit seinen vielen Haarnadeln. Unbeschadet kamen wir unten an. Es hatte aufgehört zu regnen, die Überkleidung war vom Fahrwind wieder trocken. Die Autolenker fuhren vom Ausgangspunkt die Autos zurück zum Quartier, wir genossen die 15 km lange Abfahrt hinunter am Illradweg. Blauer Himmel und Sonne waren die Wegbegleiter auf den letzten Kilometer.
Wir hatten 55 km und 1340 Hm zurück gelegt und waren 7 Std. unterwegs.. Bei Thomas gab es wieder gute Pizzas und besten Wein.

5. Tag: Maissästour
Vor unserer Heimreise war noch eine kleine Überraschungstour angesagt. Die erst Überraschung war strahlender Sonnenschein am Morgen. Zuerst wieder hinunter entlang der wild fließenden Ill bis Schruns und dann vom Aktivpark ein kleines Teerstraßl steil hinauf nach
Bitschweil. Wieder ein Staubecken der Illkraftwerke mit tiefgrünem Wasser und ein schöner Ausblick über das ganze Montafoner Tal.
Weiter ging es auf einem schönen Fußweg zum Kraftwerk Gampades und von dort auf dem Lafazutweg hinüber zum Stausee Latschau.
An der Mittelstation der Golmer Bahn fuhren wir dann den steilen Weg entlang der Rodelbahn hinunter nach Schruns. Im Winter eine saftige, beschneite Rodelbahn. In Gantschier an den Stauseen angelangt fuhren wir wieder zurück zu unserem Quartier. Eine schöne Aussichtstour mit 700 Hm und gut 2 ½ Std. Radlzeit und 25 km Wegstrecke.
Eine anspruchsvolle knappe Bergradlwoche mit einer harmonischen Gruppe und einem guten Gastgeber ging leider zu Ende.
Zuhause erwartete uns endlich der Sommer.

Bericht:
Riesemann Heinrich