7.11. -17.11.2020 Wanderreise Teneriffa



Nach langem Hin und Her, blieben noch 6 von ursprünglich 12 gemeldeten Teilnehmern übrig, die die 10 tägige Reise nach Teneriffa wagten. Corona bedingt fuhren wir, früh am Tag, mit 2 Fahrzeugen zum Airport München, von wo aus der 4,5 stündige Flug nach Teneriffa startete. Mit unseren Mietautos erreichten wir am Nachmittag den ersten Standort, Puerto Santiago. Nach dem einchecken im Aparthotel los Dragos del Sur ging’s bald an den Strand, denn Sonnenschein mit 26 Grad Luft- und 23 Grad Wassertemperatur wollten wir gleich genießen. Nach dem Badestop wanderten wir, so weit es möglich war, direkt der felsigen Küste entlang zu den imposanten Felsabstürzen von Los Gigantes.


Am 2.Tag fuhren wir hoch ins Naturschutzgebiet Canadas del Teide, wo uns ständig wechselnde Landschaft erwartete, dunkler Lavasand mit grünen Kiefernwäldern, Felsgebilde mit wechselnden Farben mal rot, hellbraun oder tiefschwarz, mal sandig oder felsig. Zum Akklimatisieren wählten wir einen gut beschilderten Rundweg, der über den Gipfel des 2700m hohen Guajara führt und einen perfekten Blick auf den Teide und die gesamte Vulkanlandschaft des Nationalparks bietet. Viele Streckenabschnitte unserer geplanten Teide Besteigung waren hier gut erkennbar. Bei der Rückfahrt bot ein tief liegendes Wolkenmeer noch beeindruckende Bilder.

Am 3.Tag war Masca das Ziel, ein Ort im Tennogebirge, nur durch eine enge, extrem kurvige und schmale Straße erreichbar, nichts für schwache Nerven. Nach kurzer Besichtigung des berühmten Dorfes bis hin zum Einstieg in die noch immer gesperrte Schlucht, wanderten wir schließlich von einem nahegelegenen Sattel, einen Höhenzug oberhalb der Schlucht entlang. Auf teils gut ausgebauten Wegen gelangt man (u.a. wurde eine Steilstufe durch meisterhafte, meterhohe Steinmauern entschärft) zu einem tollen Aussichtspunkt, der direkt über dem Ende der Maska Schlucht liegt. Letztendlich konnte die Tour mit 4 Stunden reiner Gehzeit und 600 hm doch gut mit der geplanten Masca Schlucht konkurrieren.


4.Tag Besteigung des Teide
Nach kurzer Nacht, Abfahrt um 2.00 Uhr, starteten wir zu unserer Paradetour, Besteigung des 3718 m hohen Teide und Abstieg über den 3135 m hohen Pico Viejo, der alte Gipfel mit riesigem Krater.
Punkt 3 Uhr, warm angezogen, suchten wir im Licht unserer Stirnlampen den Aufstiegspfad, zuerst noch breit und sandig, später doch schmal und felsig und nicht so leicht erkennbar, aber Marianne, (Selbstlob) die voraus ging, passierte kein Fehler und so erreichten wir das derzeit geschlossene Refugio Altavista in 3260 m nach ca. 2.30 Stunden, ein Platz zur Stärkung.
Auf einer Höhe von 3500 m begann es zu dämmern, es wurde etwas heller und die ersten Sonnenstrahlen färbten den Horizont in allen rot und orange Tönen, ein Farbspektakel wie es schöner nicht sein kann! Nun waren es noch gut 200 Höhenmeter, die allerdings einiges an Kraft kosteten. Aber dann um halb 8, pünktlich zum Sonnenaufgang, erreichten Alle glücklich und stolz den höchsten Gipfel Spaniens. Ein ausgiebiges Foto shooting, beeindruckende Fernsicht und ein reichhaltiges Frühstück machten den Gipfelrausch perfekt. Der Abstieg führte an der Bergstation der Seilbahn und den ersten Touristen, die sich hoch transportieren ließen, vorbei. Jetzt war das Tor zum Gipfel überwacht und nur mit einem Permit zugänglich.
Wir stiegen westwärts Richtung Pico Viejo, durchquerten die vom Lavastrom geprägte Landschaft mit faszinierenden Gebilden und Gestalten, mehr als eine Entschädigung für den 5 stündigen, mühsamen Abstieg. Denn die schon bald sichtbaren Roques de Garcia, eine Felsformation (die auch Gottes Finger genannt werden), wo sich der Endpunkt unserer Tour befand, wollten nicht näher kommen. Die 12stündige Teide Überschreitung war nach 22km Fußmarsch, mit 1600 hm im Auf- und 1800 hm im Abstieg, geschafft – wir auch -.



Am nächsten Tag wurde gemütlich und ausgedehnt auf der Dachterasse gefrühstückt, doch bald waren wir wieder aktiv. In die Tour durch die Felsabstürze von Los Gigantes rein schnuppern war das Ziel. Doch letztendlich machten wir sie komplett, denn der schmale ausgesetzte Pfad bot tolle Tiefblicke und endete an einem begehbaren Felstunnel, durch den eine Wasserleitung Richtung Küste läuft, was wir uns nicht entgehen lassen wollten. Nach 20 Minuten, mit Stirnlampen, durch die dunkle Röhre waren wir in der Barranco Secco, hier ging’s an vielen Kakteen vorbei aufwärts zu einen 2.ten gleichlangen Tunnel, der wieder aus dem Tal heraus und nach unten, vorbei an riesigen Bananenplantagen, zum Einstieg führt.
Wieder eine ausgedehnte 5 stündige Tour.

Am nächsten Tag war Standortwechsel angesagt, vom Südwesten Teneriffas ging die Fahrt, der Küste entlang, zur Hauptstadt Santa Cruz und weiter nach San Andres ins nordöstlich gelegene Anagagebirge. Die Appartements in der wenig touristischen Gegend waren leider nicht mit den zurückliegenden vergleichbar und so war plötzlich die Stimmung nicht mehr so gut, aber es stellte bald heraus, dass sie zweckmäßig und gut gelegen waren.
Als erstes spazierten wir gleich zum nahegelegenen „las Teresitas“, einen großen mit Saharasand aufgeschüttelten Strand, um mal zu entspannen. Abends schlenderten wir durch San Andres ein ursprünglicher Fischerort und genossen mal wieder eins der tollen Fischgerichte.


Eine für das Anaga Gebirge typische Wanderung stand für den 7.Tag auf dem Programm.
Zunächst führte uns die Tour auf kurvenreicher Strecke mit dem Auto hoch zum Wanderparkplatz el Bailadero (der Name stammt aus Sagen von Hexen die auf dem 685 m hohen Bergrücken tanzten).Von dort wanderten wir durch Lorbeer-und Nebelwälder, die mit Flechten und Farnen beinahe dschungelartig wirkten, wobei einige aussichtsreiche Grate immer wieder schöne Blicke auf die zerklüftete Nordküste öffneten, Richtung Taganana.
Dort drehte die Route in einen alten Handelsweg nach oben zu den Anhöhen Casa Forestal 832m und abwärts zum Ausgangspunkt.
Abends schlenderten wir noch durch die Fußgängerzone von Santa Cruz, probierten Tapas und wechselten noch in ein Gartenrestaurant. Zu guter letzt hatte wirklich jeder genug gegessen und auch getruuuunken !!!


Der Antequera Strand, der Tipp eines Einheimischen, ist nur mit Boot oder längerer Wanderung zu erreichen. Startpunkt ist Igueste, der östlichste Ort Teneriffas, von dort aus, natürlich zu Fuß, zunächst leicht ansteigend in ein Tal und dann hoch auf 700m. Durch die Küstennähe zeigt sich die Natur hier karger mit weniger Bäumen und vermehrt mit Kakteen und Büschen.
Bald war die Barranca Antequera sichtbar und nach zwei Stunden erreichten wir den schwarzen Strand. Warntafeln hielten uns zunächst noch vom Baden ab, aber nachdem Einheimische sich reinwagten, legten wir an einer feinsandigen Stelle unsere Kleider ab. Nun konnte das Spiel mit den Wellen beginnen: – „die Alten und das Meer“ – sich mitreißen lassen, oder etwas weiter draußen genussvoll hoch und runter zu schaukeln, oder gar sich so zu postieren, dass die Gewalt der Wellen über einen niederbricht um im Anschluss sich im warmen Sand am Wasserrand zu suhlen. Das Umkleiden erwies sich als sehr sandige Angelegenheit. Der Versuch das im Wasser zu machen, erwies sich als besonders lustig, denn Heinz blickte pudelnackt seiner Badehose hinterher, als eine unverhoffte Welle sie ins Meer zog. Über einen ausgesetzten, steilen Pfad stiegen wir wieder hoch. Im letzten Abschnitt hatten wir einen tollen Blick auf Igueste und auf 7 in der Bucht liegende Kreuzfahrtschiffe, die hier wahrscheinlich seit März ihren Parkplatz haben. Wieder ein toller Tag, mit einer unvergesslichen Tour.


Am letzten Tag der Reise trafen wir uns mit meinem Bruder Hanse und seiner Frau Lisa, die hier zeitgleich in Urlaub waren, um zum Höhlendorf Chinamada zu wandern. Von Punta Hildago aus stiegen wir, anfangs durch karge Landschaft mit tollen Aussichten in die Schlucht Barranco del Rio und die nördliche Steilküste, in zwei Stunden zum Weiler Chinamada auf, einem heute noch bewohnten Höhlendorf.
Nach ausgiebiger Rast waren die Eindrücke auf denselben Rückweg doch wieder anders und Alle waren sich einig, dass es eine würdige Abschlusstour war. Im Anschluss besuchten wir noch das Meerwasser Schwimmbad von Punta Hildago.


Fazit: Eine rundum gelungene Reise mit bestem Wetter, sehr gutem Essen und einer besonderen Truppe. Mit dabei Xandi, Heinz, Hubert, Karl, Hias und Marianne.

Text: Marianne und Hias Hösle