Ein Wochenende im Karwendel

Die mittlerweile schon sechste Auflage unserer Gemeinschaftsbergtour mit dem FSV Lokomotive führte uns heuer ins Karwendelgebirge. Ausgangspunkt war das Halltal über Hall in Tirol, ein Hochtal mit zahlreichen Zeugnissen der jahrhundertelangen Salzbergbauvergangenheit. Beim Aufstieg über das 2.215 m hoch gelegene Stempeljoch zur Pfeishütte regnete es zeitweise unergiebig, und in der Höhe fanden sich einige Neuschneereste, aber das waren kleine Unannehmlichkeiten, die sich kaum hinderlich auswirkten. So ließ rund die Hälfte der 31 Teilnehmer auch den Abstecher zur Stempeljochspitze (2.543 m) nicht aus, und während des Gipfelanstiegs lichtete sich einmal der Nebel und gestattete uns einen freien Blick hinunter nach Innsbruck.

Die Pfeishütte, vor 80 Jahren vom ÖAV-Zweig Innsbruck errichtet, entspricht in ihrem Aussehen noch weitgehend dem Originalzustand. Sie wurde aber in den vergangenen Jahren behutsam und mustergültig an die Anforderungen einer neuzeitlichen umweltschonenden Bewirtschaftung angepasst. Die Hütte ist auch vom Hafelekar und von Scharnitz her erreichbar, letzteres ein endloser Hatscher, der vorzugsweise mit dem Bergradl bewältigt wird. Die Stube der „Pfeis“ mit der alten Holzvertäfelung und dem gemauerten Ofen bildete das stimmungsfördernde Ambiente für unsren Hüttenabend.

Bei strahlendem Sonnenschein mit großartigen Panoramablicken auf die Bergketten und zähen Nebeln in den Tälern setzten wir die Tour anderntags fort. Mehrmals trafen wir auf größere Gamsrudel. Die Route führte erst zurück zum Stempeljoch, und nach einem steilen Abstieg über den „Wilde-Bande-Steig“ hinüber zum Lafatscherjoch. Dieser stellenweise drahtseilgesicherte, aber doch unschwierige Steig durchquert hoch über dem Isstal mit geringen Höhenunterschieden die sonnige Südflanke der Lafatschergipfel, die auf der anderen Seite mit ihren senkrechten Wänden die berühmte Kalenderbildkulisse der Hallerangeralm bilden.

Am Joch machten einige Teilnehmer bei angenehmen Temperaturen eine längere Pause, während die meisten über einen breiten Hang, der sich später zu einem stellenweise etwas luftigen Grat verschmälerte, den Gipfel der Speckkarspitze (2.621 m) erklommen. Die Aussicht war überwältigend; Da waren die langen Karwendelkämme und das Wettersteingebirge mit der Zugspitze, im Osten reichte der Blick über das Kaisergbirge bis zu den Berchtesgadener Alpen, und im Süden glänzten die fein bezuckerten Zillertaler und Stubaier Alpen. Der herrliche Tag machte Lust auf mehr. Beim Abstieg übers Lafatscherjoch, das Issjöchl und die Herrenhäuser, in denen heute eine kleine Jausenstation untergebracht ist und eine sehenswerte Marienkapelle besucht werden kann, drehten sich unsere Gespräche deshalb schon um die Frage, welches Hütteziel sich unser Tourenleiter Michael Frumm-Mayer für das nächste Jahr einfallen lässt.