Rund um die Landawirseehütte
Ein Schönwetterloch von maximal zwei Tagen prophezeiten die Wetterfrösche, und so wurde im letzten Moment die Entscheidung getroffen, anstatt wie geplant vier Tage in die slowenischen Steiner Alpen zu fahren, zwei Tage in den weniger entfernten Schladminger Tauern zu verbringen. Die als Stützpunkt erkorene Landawirseehütte liegt auf der bei uns weniger bekannten Lungauer Seite der Schladminger Tauern. Dass der Lungau zu Salzburg gehört, bekamen wir dort mehrfach zu hören, wenn wir das Wort „Steiermark“ nur in den Mund nahmen.
Über den Obertauern, Mauterndorf und Mariapfarr fuhren wir hinein ins gleichermaßen lange wie flache Göriachtal, und am Parkplatz kurz vor dem „Hüttendorf“ der Vorderen Göriachalm hatten wir schon ohne einen einzigen Schweißtropfen zu vergießen eine Höhe von rund 1.400 m erreicht. Zu Fuß ging’s geruhsam weiter auf dem bequemen Hüttenweg. Wir tappten durch dichten Nebel, passierten einen rauschenden Wasserfall und eine weitere Alm, und schneller als gedacht tauchte die Landawirseehütte recht unvermittelt aus dem grauen Gebräu auf.
Wir quartierten uns ein, und machten erste Bekanntschaft mit den kulinarischen Verlockungen, für die die Hütte berühmt ist. Bei Kaspressknödeln und Kaiserschmarrn hätten wir fast vergessen, dass wir doch in erster Linie zum Bergsteigen hergekommen waren. Schließlich rafften wir uns auf, wanderten hinauf zur Trockenbrotscharte, in der es doch nur Steine gab und wenig Brot (das, welches wir im Rucksack dabeihatten). Wir folgten nun dem Gratkamm hinauf zum Pietrach (2.396 m). Während der Gipfelrast betrachteten wir die Teile des Panoramas, die er nur langsam zurückweichende Nebel in der Zwischenzeit zur Besichtigung freigegeben hatte.
Der Weiterweg am Grat wurde anspruchsvoller. Trotz Markierung war der Verlauf nicht immer gut zu erkennen. Einigen Felsabsätzen weicht die Route über plattige Felsen in die grasige Flanke aus, und dort waren die eh nur bescheidenen Steigspuren oft unter dichten Grasbüscheln verborgen. Vor dem Felsaufschwung des Kübels, eines markanten Gratturms, gelangten wir auf einem erdigen Steigerl im Zickzack rasch hinunter ins Landawirseekar.
Jetzt war der Weg frei für den Scharnock, dem mit 2.496 m höchsten Gipfel über den Landawirseen. Der lud ein zu einer längeren Rast, es war wärmer geworden und immer mehr Berge ließen sich sehen. Beim Abstieg konnte ein Teil unserer Gruppe dem Abstecher auf den Kübel nicht widerstehen, ehe wir alle durch das mit vielen kleinen Lacken und den zwei namengebenden, größeren Seeaugen ausgestattete Kar zur Hütte zurückkehrten.
Der strahlende Morgen währte nur kurz. Als wir aufbrachen zum Hochgolling (2.863 m), hatte sich der Himmel schon überzogen und bald waren wir wieder von dichtem Nebel eingehüllt. Auf der Gollingscharte begrüßte uns ein stürmischer Wind. Wir wählten deshalb die historische Route zum Gipfel, der gegenüber der Gratroute mehr in die Flanke ausweicht und dem Wind weniger ausgesetzt war. – Gemütlich war die Rast auf dem höchsten Punkt der Schladminger wie der gesamten Niederen Tauern nicht gerade. Nach einer guten halben Stunde waren einige trotz des Anziehens aller verfügbaren Kleidungsstücke schon ziemlich ausgekühlt, so dass wir uns wieder an den Abstieg machten. Und genau mit dem Aufbruch begann sich der Nebel zu verziehen. Rasch weitete sich die Aussicht. Durch die „Düse“ der Gollingscharte pfiff noch ein heftiger Wind. Aber dann wurde es warm, und im Grund des Göriachtals wurden die letzten wärmenden Kleidungsstücke ab- und die kurze Hose angelegt. Wir schlenderten das Tal hinaus, sahen, was unseren Blicken beim Aufsteigen am Vortag verwehrt geblieben war. Die urige Hansal-Hütte kam uns gerade Recht, um die zwei Bergtage in würdiger Form abzurunden.
























