Auf einsamen Wegen über das Mosermandl
Das Mosermandl, einer der Hauptgipfel der Radstädter Tauern, überschritt eine stattliche Wandergruppe auf einer landschaftlich und botanisch überaus reizvollen Route. Es hätten aber noch einige mehr sein können, denn wir waren mit dem Bus unterwegs und da waren bedauerlicherweise noch etliche Plätze frei. Vielleicht hat auch der Wetterbericht einige abgeschreckt, aber das Wetter war bedeutend besser als die Vorhersage, es war meist heiter und der kurze Graupelschauer beim Abstieg vom Gipfel war mit dem vorsorglich mitgeführten Regengwand leicht abgewehrt.
Ausgangspunkt war die Raststätte Tauernalm vor dem Nordportal des Tauerntunnels, von der wir gleich weitergingen zur Unteren Gasthofalm, die einst idyllisch im Talschluss gelegen war, heute aber durch die Betonpfeiler der Tauernautobahn überragt wird. Unser Weg führte zuerst im Wald steil nach Westen empor und dann flacher durch eine prachtvolle Alpenflora zur Oberen Gasthofalm mit den spärlichen Mauerresten der ehemaligen Almhütte. Von hier zog sich das weite Gasthofkar, eine gewaltige Urlandschaft, mit der Höhe immer kahler werdend, in südlicher Richtung hinauf. An seinem Ende wird es von mehreren Felsklötzen begrenzt, deren höchster das 2.680 m hohe Mosermandl ist. Die Farbmarkierung, der genau zu folgen in der Tourenbeschreibung dringend geraten wurde, wanderten wir durch die Ödnis hinauf zum Fuß des gut 100 Meter hohen Gipfelaufbaus. Den erklommen wir durch eine steile, drahtseilgesicherte Rinne.
Als wir das Gipfelkreuz erreichten, hatte sich sogar der zwischenzeitlich aufgekommene Nebel weitgehend verzogen und trotz Quellwolken großartige Panoramabilder freigegeben. Markante Punkte des Panoramas waren der benachbarte Faulkogel, im Süden die östlichen Hohen Tauern mit Hochalmspitze und Ankogel, die uns meist nur ihre gleißenden Firne schauen ließen, aber dann doch ihre Häupter kurz aus den Wolken herausschälten, im Norden Kraxenkogel, Gosaukamm und der Dreizack des Dachsteins.
Durch die Gipfelrinne kletterten wir vorsichtig wieder ab und wanderten dann, um den Windischkopf herum in die Windischscharte und dann, über mehrere Schneefelder auch abfahrend, hinunter zum Zaunersee und zur Franz-Fischer-Hütte. Der schon angesprochene Graupelschauer zog schnell vorüber, und im Licht des wieder aufklarenden Himmels präsentierten das Mosermandl und vor allem der Faulkogel ihre von Süden geradezu dolomitisch anmutenden bizarren Formen. Die Einkehr in der Hütte war besonders zünftig, denn ein junges Volksmusikanten-Trio sorgte für die rechte Stimmung. Anlass war der Almsonntag, der an diesem Tag im Zederhauser Riedingtal veranstaltet wurde. Auch auf allen übrigen Almhütten wurde deshalb ausgelassen gefeiert. Zwei Teilnehmerinnen, die sich die große Überschreitung nicht antaten und lediglich zur Hütte wanderten, wo sie auf uns warten wollten, ließen uns durch die Wirtin ausrichten, dass sie bereits wieder abgestiegen waren, um die Almfeiern zu genießen. Auch wir genossen diesen Kontrast zu den einsamen Wanderstunden zuvor. Am späteren Nachmittag gingen wir in den Grund des Riedingtals hinunter zur Schliereralm, wo der Omnibus mit den Almbummlerinnen schon auf uns wartete.
Text: Lorenz Mayer
Fotos: Lorenz Mayer, Michael Frumm-Mayer




















