Abenteuer Peru

Kurzbericht von unserer Andenfahrt 2011

Die Perufahrt vom 20. Mai bis 12. Juni war sicher der Höhepunkt unseres Vereinsjahres 2011. Sie gliederte sich grob gesagt in drei Abschnitte: Je eine Woche Kultur, Trekking und Bergsteigen. Davor geschaltet war noch ein Tag in der Hauptstadt Lima. Als besonders reizvoll war uns die Stadt nicht beschrieben worden, und diese Beschreibung deckt sich mit unseren Eindrücken. Sieben Millionen Einwohner, ein für die Jahreszeit typischer Nebel, ein chaotischer Verkehr, nur wenige wirklich bemerkenswerte Bauwerke, ein paar prachtvolle Einkaufsstraßen, aber zahllose Klein- und Kleinstgeschäfte und Straßenverkaufsstände – Slumsiedlungen soll es auch geben, aber da kamen wir nicht hin.

Während der Busfahrt durch das Andenhochland nach Ollantaytambo machten wir Station am großen Sonntagsmarkt von Chinchero, an den Inkaterrassen von Moray und den Salzteichen von Maras. Tags darauf der Höhepunkt der ersten Woche: Mit dem Schmalspurzeug fuhren wir das Urubambatal abwärts, stiegen am Kilometerstein 104 aus und wanderten dann mit drei Inkatrailführern auf einem landschaftlich und botanisch wunderschönem Pfad hinauf zum Sonnentor. Diese Geländescharte ist das Portal zur geheimnisvollen Inkastadt Machu Picchu. Eine deutsch sprechende, äußerst beschlagene Führerin erklärte uns die bestens erhaltenen Ruinen und erzählte uns viel Wissenswertes über die Inkas.

Nach einem weiteren Tag im „Heiligen Tal“ kamen wir in die alte Inkahauptstadt Cusco. Die Stadt war einladender als Lima: Sonnig, beschaulicher, authentischer, mehr indigenes Flair. Obwohl natürlich auch dort längst nicht alles Gold ist, was glänzt. Mängel der Infrastruktur waren nicht zu übersehen. Aber in Cusco und der unmittelbaren Umgebung gibt es noch zahllose Zeugnisse einer großen Vergangenheit, und Menschen in traditionellen Trachten sind dort nicht nur vereinzelt anzutreffen.

Vom 3.800 m hoch gelegenen Bergdorf Tinki, die auf einer neuen, bestens ausgebauten Überlandstraße von Cusco erreicht werden kann, starteten wir unsere Trekkingtour durch die Cordillera Vilcanota. Die Vilcanota gilt als kälteste Region Perus. Während der Nacht sank die Quecksilbersäule mehrmals auf unter -10° C. Tagsüber war es allerdings bei regelmäßig strahlendem Sonnenschein ganz erträglich, zeitweise konnten wir sogar mit T-Shirts geben. Die Etappen bewegten sich zumeist in einer Höhenlage zwischen 4.500 und 4.900 m, mehrmals wurde jedoch die 5.000-m-Grenze überschritten. „Höhe“-Punkt war die Besteigung des Cerro Yayamari (5.460 m). Doch die weite Landschaft im Angesicht über 6.000 Meter hoher Gletscherberge, die riesigen Alpakaherden, blaue Seen wie die 17 km lange Laguna Sibinacocha in 4.870 Meter Meereshöhe, oder der Blick auf die Eiskappe Quelccaya, die weitweit größte zusammenhängende Eisfläche in den Tropen, waren nicht minder eindrucksvoll.

Auf der grandiosen Trekkingroute begeleitete uns ein Tross mit zwei Köchen, mehreren Bergbauern und Pferdetreibern mit rund 25 Pferden. Jeden Morgen wurde alles zusammen- und auf die Pferde gepackt, alle Zelte, der Großteil des Privatgepäcks, die gemeinschaftliche Ausrüstung und vor allem auch die Verpflegung: bei rund 25 Personen und einer Woche Trekkingdauer kam da einiges zusammen, zumal Markus, unser Trekking-Organisator, auf einen abwechslungsreichen Speiseplan großen Wert gelegt hat. Nach sieben anstrengenden Tagen kamen wir etwas erschöpft, aber innerlich zufrieden am Endpunkt Hatun Finaya an.

Das Trekking durch die Cordillera Vilcanota darf, obgleich technisch unschwierig, nicht unterschätzt werden. Die Höhe, die Abgeschiedenheit und der große logistische Aufwand stellen hohe Anforderungen. Auch für unsere Gruppe verlief nicht alles planmäßig. Drei Teilnehmer mussten die Tour aus verschiedenen Gründen, z.B. wegen Krankheit oder wegen eines kleinen, aber folgenschweren Unfalls, abbrechen. Die Rückführungen nach Cusco waren aufwändige Ganztagsaktionen. Zuerst wurden die Betroffenen von einem Indio aus der Begleitmannschaft per Pferd in das oberste mit Straße erschlossene Dorf gebracht. Unsere Partneragentur in Cusco, die uns schon bei der Besorgung des Permits für den Inkatrail geholfen hatte, kümmerte sich dann mit großem Einsatz um den weiteren Rücktransport.

Abenteuerliche Busfahrt von Hatun Finaya nach Cusco, dort ein Tag zur freien Verfügung, dann Rückflug nach Lima und Busfahrt nach Huaraz. Wir waren nun in der Cordillera Blanca. Dort stehen mit dem Huascarán (6.768 m) der höchste und mit dem Alpamayo (5.947 m) der nach verbreiteter Ansicht schönste Berg Perus. Mit Pedro und Christian, zwei deutsch sprechenden, in Österreich ausgebildeten peruanischen Bergführern, wanderten wir durch das Ishincatal hinein in den Huascáran-Nationalpark. Am herrlich gelegenen Campo Ishinca errichteten wir unser Basislager. Wir waren von unserer Trekkingtour her gut akklimatisiert, und konnten schon am nächsten Tag den Nevada Ishinca (5.530 m) besteigen.

Mit einer Ausnahme waren alle Sechstausender-Aspiranten noch fit. Diese acht Teilnehmer brachen am folgenden Tag nach einem gemeinsamen Mittagessen auf bis zum Beginn des Gletschers und errichteten auf rund 5.100 m Höhe ein Hochlager. Nach einer kurzen Nacht ging die Gruppe bei klirrender Kälte mit Stirnlampen um vier Uhr früh los. Zwei steile Streckenabschnitte wurden von Bergführer Pedro mit Fixseilen versichert. Bei Traumwetter und besten Verhältnissen auf dem Gletscher schafften es alle bis zum Gipfel des Tocllaraju (6.034 m). Der Traum hat sich erfüllt.

Ein anderer Teil unserer Gruppe war an diesem Tag auf den Uros (5.420 m) gestiegen. Im Basislager kamen wieder alle zusammen, der letzte Zeltabend stand bevor, und Feiern war angesagt. Nach Rückmarsch und –fahrt waren wir noch einen Tag in Huaraz, und der harte Kern unserer Truppe feierte beim Tanz in der Disco bis Mitternacht weiter. Am Flughafen Lima wurde unsere Gruppe wieder vollständig. Zwei der Teilnehmer, die die Trekkingtour abbrechen mussten, waren in der dritten Woche in der Selva, dem peruanischen Dschungel, gewesen, und konnten ihrerseits manches erzählen. Über Madrid folgen wir wieder zurück und kamen am späten Pfingstsonntagabend wohlbehalten in München an.

Lorenz Mayer