Traumskitour zum Preber
Seit ein paar Jahren hat’s uns die geplanten Bustouren so regelmäßig versauwettert, dass man nach deren Terminen den Wetterbericht hätte schreiben können. Heuer hat dafür alles gepasst. Bei den am zweiten Februarwochenende in den Nordalpen herrschenden Witterungs- und Lawinenbedingungen haben wir mit dem Tourenziel geradezu einen Volltreffer gelandet. Im Lungau herrschten strahlender Sonnenschein und minimale Lawinengefahr und der Preber hatte noch reichlich Pulverschnee anzubieten.
Als an der Talstation der Skischaukel Aineck - Katschberg in St. Margarethen die Pistenfahrer ausgeladen wurden, wandte uns der Preber seine herrliche weiße Schokoladenseite schon zu - 1000 Meter hoch, weithin sichtbar, hindernisfrei, seilbahnfrei. Ein Bilderbuch-Skiberg, ohne Schnörkel, dessen Eigenschaften auf das beschränkt zu sein scheinen, was der Skitourengeher für seine Leidenschaft benötigt.
Der Bus beförderte uns 30 Tourengeher weiter nach Tamsweg und hinauf zum Prebersee, dem bereits gut 1.500 Meter hochgelegenen Ausgangspunkt. Dort findet jeweils Ende August das berühmte „Preberschießen“ statt, bei dem nicht das Ziel selbst, sondern dessen Spiegelung im See angezielt wird. Die flach auf die Wasseroberfläche prallenden Bleikugeln werden auf die am Festland aufgestellte Zielscheibe umgelenkt. Trotz seiner Höhe eignet sich der Prebersee an warmen Hochsommertagen auch zum Baden. Im Winter ist das Plateau ein Dorado für Skilangläufer und Ausgangspunkt für die Idealskitour auf den Preber. Im März steigt alljährlich das Preberrennen, eines der größten Skitourenrennen Österreichs. Die Bestzeit für Aufstieg und Abfahrt soll bei unglaublichen 53 Minuten liegen.
Wir hatten freilich keinerlei Wettkampfambitionen, und ließen es als erklärte Genuss-Skibergsteiger gemütlicher angehen. Dennoch zog sich die Gruppe nach einem halbstündigen Waldanstieg auf der riesigen Flanke auseinander. Der Preberhang war weit überschaubar, und es waren oft mehrere verschieden steile Aufstiegsspuren vorhanden, so dass jeder Tempo und Spur nach seinem Geschmack selber wählen konnte. Als die schnelleren an der Gipfelschulter angelangt waren, fuhren sie, den Schnee auf seine Tauglichkeit testend, gleich ein Stück ab und stiegen dann noch einmal auf. Zum Kreuz auf 2.741 m mussten wir vom Skidepot noch einige Minuten auf dem verblasenen Kamm zu Fuß aufstiegen. Die Gipfelrast dauerte trotz des überwältigenden Panoramas nicht all zu lange, denn dort wehte von Norden ein eiskalter Wind. Nach ein paar Schlucken Tee rüsteten wir bald wieder zum Aufbruch.
So unangenehm die frostigen Temperaturen am Gipfel waren, so hatten sie als erfreulichen Nebeneffekt den Pulverschnee hervorragend konserviert. Eine traumhafte Abfahrt war der Lohn für die Mühen des Aufstiegs. Man sah 30 Skifahrer durch staubenden Pulver hinunterschwingen, -wedeln, -tänzeln, und jeder zeichnete eine Serie mehr oder weniger eleganter Kringel in den breiten, hindernislosen Riesenhang. Nach rund 1000 Höhenmetern versammelten wir uns wieder auf der Sonnseite der ersten Almhütte, wo wir ausgiebig rasteten und die Rucksackjause nachholten. Auch wenn der weitere Rückweg zum Prebersee nur noch kurz war, kehrten wir dort gleich wieder ein in der Ludlalm, die mit riesig portionierten Speisen und Brotzeiten aufwartete.
Text: Lorenz Mayer
Fotos: Michael Frumm-Mayer



