Zu unserer kombinierten Wander- und Klettersteigtour fanden sich 16 Teilnehmer ein. Ziel war der Predigstuhl bei Bad Goisern im Salzkammergut. Mit seiner bescheidenen Höhe von 1.278 m stellte er für die nach dem schneereichen Winter allmählich beginnende Wandersaison ein dankbares und keineswegs langweiliges Ziel dar. Kann er doch mit einer großartigen Aussicht und mit bizarren Felswänden aufwarten, und noch dazu mit zwei kurzen, aber knackigen Klettersteigen auch ambitionierten Bergsteigern etwas bieten.
Vom Ausgangspunkt Rathluck'n-Hütte folgten wir zuerst dem „Sagenweg“, der gesäumt ist mit allerhand sagenhaften, aus Baumstämmen herausgeschnitzten Gestalten. Die Ewige Wand, ein etwa 50 Meter hoher markanter Felsriegel, der sich wohl einen Kilometer lang den ganzen Berghang hinaufzieht, und das Landschaftsbild über Bad Goisern maßgeblich mitprägt, kann bequem durch zwei Tunnels durchwandert werden. Der Felsriegel kann aber auch über einen kurzen äußerst luftigen Klettersteig überwunden werden. Einige begnügten sich mit dem Tunnelweg, konnten aber vorher zuschauen, wie sich die anderen über die spektakuläre Steiganlage hinauf bewegten. Oberhalb der Felsen wanderten dann wieder alle zusammen auf dem steilen, aber unschwierigen Steig, vorbei an herrlichen Aussichtspunkten, auf den höchsten Punkt der Ewigen Wand. Der Weg leitete kurz hinab auf ein Plateau mit blumenreichen, erst vor kurzem ausgeaperte Flächen und mehrere Altschneeflecken, und dann durch Wald hinauf zum exponierten Gipfel des Predigstuhls, der auf der anderen Seite mit einer senkrechten Felswand abbricht.
Dort bot sich eine herrliche Aussicht auf Bad Goisern und den Hallstätter See, auf das Tote Gebirge, auf den Plassen und das Kattergebirge, und über den schimmernden Gletschern im Süden konnten wir im quellenden Gewölk den Dachsteingipfel ahnen. Unsere „Klettersteigfraktion“ stellte hier die Rucksäcke ab, und stieg, ausgerüstet mit Klettersteigzeug und Fotoapparaten, zum Einstieg des Leadership-Klettersteiges hinunter. Eingeklinkt ins straff gespannte fingerdicke Drahtseil kletterten sie dann über steile Felsplatten, mehrere Leitern und einen originellen Durchschlupf durch einen hohen Felsspalt wieder hinauf zum Gipfel. Auf dem „Radsteig“ wanderten wir schließlich wieder alle gemeinsam hinunter zur Rathluckn-Hütte, wo die gelungene Tour mit einer zünftigen Einkehr ihren Abschluss fand.
Text, Fotos: Lorenz Mayer