Spätestens bei Flachau wird man bei der Fahrt auf der Tauernautobahn im noch rund 15 km entfernten Hauptkamm der Radstädter Tauern eines auffälligen Felsberges ansichtig. Dieser hört auf den Namen Faulkogel, ist 2.654 m hoch, lässt sich in einer nicht ganz kurzen und stellenweise auch nicht ganz leichten Bergtour besteigen und war das außerordentlich lohnende Ziel unserer Vereinstour am 2. August.
Auf einer sanften Almstraße durchwanderten wir die Marbachalmen, und benutzten ab der Hinteren Marbachalm dann den am rechtsseitigen Hang hinaufführenden etwas abkürzenden Steig zur Ursprungalm. Auf langen Leiten zur Neukarscharte blühte, jahreszeitlich ein wenig verspätet, noch üppig der Almrausch, und wir kamen uns zeitweise vor wie in einem Blumengarten. Über der Scharte ging es in Felsgelände. Über ein steiles Gratstück, dann in der Ostflanke querend erreichten wir die Schlüsselstelle, eine markante Schluchtrinne, die wir gut drahtseilgesichert über die linke Begrenzungswand überwanden. Zum Schluss noch schotterige Serpentinen und einige Felsstufen, und nach viereinhalb Stunden standen wir am etwas windschiefen Gipfelkreuz.
Das Wetter war herrlich, die Aussicht trotz leichtem Dunst kaum weniger. Da waren in der Nähe das Mosermandl und das Weißeck. Im Süden standen vor uns Hochalmspitze, Ankogel und Goldberggruppe, im Südwesten, weiter weg, aber noch deutlich zu erkennen, Großglockner und Wiesbachhorn, und im Norden bauten sich neben dem Kraxenkogel die prallen Südwände von Hochkönig, Tennengebirge und Dachstein auf. Ein Blick ins Gipfelbuch offenbarte, dass der Faulkogel nicht allzu häufig bestiegen wird. Rund 20 Seiten Einträge pro Jahr sind für einen Gipfel dieser Dominanz doch erstaunlich wenig.
Beim Abstieg lockte nicht nur der relativ kurze Abstecher zum nahe der gleichnamigen Scharte gelegenen idyllischen Neukarsee, sondern die meisten der elf Teilnehmer auch noch ein wahrhaft erfrischendes Bad in 2.100 m Meereshöhe. Und noch von einer weiteren unwiderstehlichen Verlockung ist zu berichten: der Jausen in der bäuerlich geführten Vorderen Marbachalm.
Lorenz Mayer