Die Goldtropfroute zieht in ziemlich gerader Linie von der Padinger Alm durch die Südflanke des Hochstaufens hinauf zum Gipfelkreuz. Das nicht bezeichnete, aber doch meist deutlich erkennbare Steigerl windet sich geschickt um einige Felswandln herum, und erfordert an einigen Stellen auch ein wenig „Hinlangen“, ohne den trittsicheren Bergsteiger aber vor Probleme zu stellen.
Ein Geheimtipp ist die „Goldtropf“ heute nicht mehr. Am Rastplatz in der Mitte des Anstiegs befindet sich in einer Felsnische ein Wandbuch, das in jüngerer Zeit alle paar Jahre erneuert werden muss. Früher war das anders: Das erste Buch soll erst nach mehr als drei Jahrzehnten vollgeschrieben worden sein.
Wir gingen diese Tour spät im Herbst, am 19. November, mit 22 Teilnehmern. Der Tag war wunderschön, einen goldenen kann man ihn nennen, vom Ausgangspunkt weg strahlte die milde Sonne, das Steigen war anregend, die Sicht auf die Berge war ungetrübt und weitete sich mit jedem Meter gewonnener Höhe. Auf den heubraunen weichen Graspolstern unterm Gipfelkreuz saßen wir mit vielen anderen, ratschten angeregt, verzehrten die Rucksackbrotzeit, fütterten die Dohlen, ließen unsere Augen über die zahllosen Bergketten im Süden und über das tief gelegene dichte Wolkenmeer im Norden gleiten und dachten ohne Mitleid an die Daheimgebliebenen in der engen Welt der Novembernebel.