Anfang Februar machten sich 12 Tourengeher/innen, neun Damen und drei Herren, auf den Weg zum Gasthof Steinberg hinter Westendorf in Tirol. Bereits bei der Anreise verlor man im dichten Nebel kurz die Orientierung. Eine Beschilderung gab's halt nur zum Skilift, nicht aber zu unseren Traumhängen im oberen Windautal. Einer meinte, letztes Mal haben wir uns hier auch schon verfahren, und der kurze Zwischenstopp mit den Annehmlichkeiten im Untergeschoss der Skifahrerbeförderungsanlage wurde von der Damenwelt ohnehin schon sehnlichst erwartet. Wenig später konnten wir die geräumigen Zimmer mit Dusche im Steinbergaus belegen und uns für die erste Tour zum Steinberg vorbereiten.
Bei frischen 18° Minus ging's erst auf der Talstraße 15 Min. Richtung Süden und dann die herrlichen Osthänge über hindernislose Almwiesen empor. Kurze Zeit später konnte man sich so mancher Kleidungsstücke entledigen, da der wolkenlose Himmel die wärmenden Sonnenstrahlen voll zur Geltung kommen ließ. Nach knapp zwei Stunden war eine kurze Pause fällig und es zeigte sich bald, dass einige, deren Saisonhöhenmeter sich noch im 3-stelligen Bereich befanden, bei dem forschen Tempo nicht ganz mithalten konnten. Die Lawinengefahr war gering, ein Verirren über die freien Hänge unmöglich, so konnte jeder bequemen Schrittes den Berg erklimmen. Der Steinberg hat eine oben knapp 40° steile Flanke nach Süden, dessen idealem Firn einige nicht widerstehen konnten. Nach gut drei Stunden Anstieg über 1100 Hm erreichten auch die letzten unser gemeinsames Ziel, den Wiesboden. Drei Tourengeher machten noch einen knapp zweistündigen Abstecher zum mächtigen Steinbergstein über einen sehr aussichtsreichen Weg.
Bei der Wahl der Abfahrtsroute war eine gewisse Erfahrung wegen der allgemein großen Bruchharschgefahr schon sehr nützlich. Der in der Karte eingezeichnete Buschwald war dagegen kein Problem, da es sich um Latschen handelte, von denen man aufgrund der recht üppigen Schneelage kein Büschchen zu sehen bekam. So begaben wir uns im kühlen Schatten des Steinbergstein über ausgedehnte Pulverhänge talwärts. Einige lustige Stürze beeinträchtigten das Abfahrtsvergnügen kaum. Wir waren vielmehr erstaunt, wieviel Pulverschnee noch zu finden war, nachdem es zwei Wochen nicht mehr geschneit hatte.
Um halb vier erreichten wir wieder unserere Herberge. Wir ließen uns Kaffee und Kuchen schmecken oder genehmigten uns ein Bierchen. Beim Abendmenue wurde, wie die Chefin versprochen hatte, wirklich jeder satt. Einige Damen hatten aber ernsthafte Konditionsprobleme, die üppigen Gaumenfreuden zu bewältigen. Unsere Frauen begaben sich schon zeitig in ihre Schlafgemächer, die drei Herren hatten aber bis Mitternacht noch genügend Zeit, den Flüssigkeitsverbrauch des Tages auszugleichen.
Der Lodron mit Anstieg von Rettenbach war das Ziel des nächsten Tages. Die Tour war ähnlich wie tags zuvor, kurze Forststraße, weite freie Hänge bis zum Gipfel mit der Möglichkeit, bei der Abfahrt noch Pulverschnee zu finden, also dem allseits gefürchteten Bruchharsch ausweichen zu können. Am Gipfel kündigte ein kalter Nordwind die heranziehende Wetterverschlechterung an, und alle begannen sich bequeme Sitzgelegenheiten auszuschaufeln, um das Warten auf die Nachzügler erträglicher zu gestalten. Die Abfahrt begann mit einer steilen Einfahrt über die Gipfelwächte in die gegliederten Nordosthänge, was natürlich nur bei bombensicheren Verhältnissen zu empfehlen ist. Der Schnee war größtenteils wieder von erstaunlich guter Qualität, wenn man mit der nötigen Erfahrung die entsprechenden Hänge auswählt. Als Schlüsselstelle der Abfahrt stellte sich eine Bachquerung heraus, wo eine Teilnehmerin mit ihren 145 cm kurzen Brettern in den Fluten versank. Ein Skifahrer, der zuvor die gleiche Spur benutzte war jedoch mit seinen 185 cm Latten klar im Vorteil und meisterte die tückische Stelle absolut problemlos. Nach der Rettungsaktion und einer umfangreichen Skienteisung gings aber gleich weiter und wenig später erreichten wir den Ausgangspunkt.
So ging das lustige und erlebnisreiche Skitourenwochenende mit Komfortunterkunft und für manche mit etwas an Erfahrung reicher zu Ende.
Text: Sepp Rehrl
Fotos: Sepp Rehrl, Rosina Mayer